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Reform der Pflegestufen

Nicht nur der Begriff der Pflegestufe ändert sich, ab 2017 heißen die Pflegestufen Pflegegrade.

Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff ab 2017:

Seit Einführung der Pflegeversicherung 1995 war der Begriff der Pflegbedürftigkeit umstritten. Dieser ist entscheidend dafür, ob ein Pflegebedürftiger Leistungen aus der Pflegekasse erhält. Die Leistungshöhe wurde bisher durch die 3 Pflegestufen bestimmt. Wichtig bei der „Pflegebedürftigkeit im Sinne des Gesetzes“ war bisher nicht, wie schwer eine Krankheit oder eine Einschränkung ist, sondern welcher Hilfebedarf in Bezug auf die „gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im täglichen Leben“ (§14 Abs. 1SGB XI) besteht. Für die Pflegestufe wurde bisher nur der Zeitaufwand der Pflege und Betreuung ermittelt. Menschen mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz (z.B. Demenz) erhalten deshalb oft keine Pflegestufe. Die zeitbezogenen Pflegestufen führten zur Minuten-Pflege, auch “Satt-und-Sauber-Pflege” genannt, welche die Betreuung und den Erhalt der Eigenständigkeit des Pflegebedürftigen vernachlässigten. Zwar gab es leichte Anpassungen, wie die Pflegestufe 0 und das Pflegeneuausrichtungsgesetz, eine deutliche Verbesserung der Pflegebedürftigen wurde jedoch aus Kostengründen bisher aufgeschoben.

Was sind die fünf neuen Pflegegrade?

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff soll sich nicht mehr nach dem minütlichen Pflegeaufwand orientieren. Maßstab soll in Zukunft der Grad der Selbständigkeit sein. Dieser soll durch sechs festgelegte Kriterien, denen jeweils ein fester Punktwert zugeordnet ist, bestimmt werden. Im neuen Begutachtungsassessment (NBA) werden nach der Schwere der Beeinträchtigung in den Bereichen der Selbständigkeit Punkte vergeben. Mit ihnen wird dann anhand einer Skala von 0 bis 100 der Pflegegrad ermittelt. Anhand dieser Punkte erfolgt die Einteilung der Pflegebedürftigkeit in eine der fünf Pflegegrade. Das neue Pflegegrad-System wird in einer der Probephasen seit 2014 durchgeführt und evaluiert. Durch die Umstellung soll niemand schlechter gestellt werden als vorher. Die Pflegebedürftigen, die bereits eine Pflegestufe haben, werden automatisch und ohne Antrag in einen neuen Pflegegrad eingestuft: (* Für Personen mit dauerhaft erheblich eingeschränkter  Alltagskompetenz im Sinne § 45a SGB XI. 

 

Aus Pflegestufe (PS) wird Pflegegrad (PG)
PS 0 > PG 1
PS 1 > PG 2
PS 1 (mit Demenz*) > PG 3
PS 2 > PG 3
PS 2 (mit Demenz*) > PG 4
PS 3 > PG 4
PS 3 (mit Demenz*) > PG 5
Härtefall > PG 5
Härtefall (mit Demenz*) > PG 5

 

* Für Personen mit dauerhaft erheblich eingeschränkter  Alltagskompetenz im Sinne § 45a SGB XI.

 

Welche Leistungen stehen mir ab 2017 zu?

Laut Bundesministerium für Gesundheit sollen alle Pflegebedürftigen ab 2017 mehr Leistungen seitens der Pflegeversicherung erhalten als sie bisher bekommen haben. Die Hauptleistungsbeiträge für die fünf neuen Pflegegrade sollen in Euro wie folgt aussehen:

  PG 1 PG 2 PG 3 PG 4 PG 5
Geldleistung ambulant   316 545 728 901
Sachleistung ambulant   689 1298 1612 1995
Entlastungsbetrag ambulant (zweckgebunden) 125 125 125 125 125
Leistungsbetrag stationär 125 770 1262 1775 2005
bundesdurchschnittlicher pflegebedingter Eigenanteil   580 580 580 580

 

Das Neue Begutachtungsassessment (NBA)

Der Begriff des Neuen Begutachtungsassessment (NBA) hört sich erst einmal überwältigend an. Doch dahinter steckt nichts anderes als ein neues System der Begutachtung, das mit dem Pflegestärkungsgesetz II angewandt wird. Es wird weiterhin bewertet, inwiefern die Pflegebedürftigen in der Lage sind, ihren Alltag selbst zu gestalten. Generell soll die Selbstständigkeit das neue Kriterium bei der Einstufung sein, und zwar nicht mehr nur auf körperlicher Ebene, sondern auch in Bezug auf die geistige Verfassung.

Was neu ist: Die bisherige Zeitmessung wird verändert, außerdem treten neue Messmethoden an diese Stelle. Die minutengenaue Messung wird im Neuen Begutachtungsassessment (NBA) nun nur noch eine kleine Rolle spielen.  Die Pflegebedürftigen werden nun ganzheitlich in Bezug auf ihre Selbstständigkeit bewertet. Dieses geschieht mit Hilfe einer Punktevergabe. Auf einer Skala von 0 bis 100 wird dann eine Einteilung in eine der fünf Pflegegrade vorgenommen. Das gilt natürlich nur für die neuen Fälle von Pflegebedürftigkeit.

Die Begutachtungskriterien im Überblick

Im Neuen Begutachtungsassessment (NBA) werden die nachfolgenden sechs Bereiche begutachtet. Für jeden Pflegegrad gibt es in diesen sechs Bereichen Richtwerte, an denen sich die Gutachter bei der Bewertung orientieren können.

  1. Hilfen bei Alltagsverrichtungen: Wieviel Zeit wird für die alltäglichen Verrichtungen aufgewendet?
  2. Psychosoziale Unterstützung: Welcher Hilfebedarf besteht im Hinblick auf psychosoziale Unterstützung?
  3. Nächtlicher Hilfebedarf: Wie viel Unterstützung ist während der Nacht nötig?
  4. Präsenz am Tag: Über welche Zeitspanne kann der oder die Pflegebedürftige tagsüber alleine gelassen werden?
  5. Unterstützung beim Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen: Wie viel Unterstützung ist im Bereich der krankheitsbedingten Anforderungen (z.B. bei der Medikamentengabe oder dem Verbandswechsel) notwendig?
  6. Organisation der Hilfen: Wer übernimmt die Hilfeleistungen? Gibt es Angehörige, die die Pflege übernehmen, oder muss ein professioneller Pflegedienst in Anspruch genommen werden?

 

Welche Voraussetzungen gelten für die Pflegegrade?

Natürlich gibt es weiterhin bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen. Doch diese richten sich nicht mehr nur nach dem Zeitaufwand für die Pflegemaßnahmen, sondern generell nach der Selbstständigkeit der Betroffenen. Dennoch gibt es einige Anhaltspunkte, welche Voraussetzungen für welchen Pflegegrad vorliegen müssen. Die Einteilung in Pflegegrade erfolgt, wie auch schon jetzt, durch einen unabhängigen Prüfer seitens der Krankenkassen. Mit dieser Aufgabe betraut ist derzeit der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK).

In dieser Tabelle bekommen Sie einen Überblick darüber, welche Voraussetzungen für welche Pflegegrade erfüllt werden müssen. Bitte beachten Sie, dass es sich dabei bisher lediglich um grobe Richtwerte handelt, die sich aufgrund einer ersten Analyse des Testverfahrens des Bundesministeriums zum neuen Pflegestärkungsgesetz ergeben haben.

Pflegegrad Grundpflege Psychosoziale Unterstützung Nächtliche Hilfen Präsenz tagsüber

Pflegegrad 1

27 bis 60 Minuten


bis 1x täglich


nein

nein

 

Pflegegrad 2

 

30 bis 127 Minuten

 

bis 1x täglich

 

0 bis 1x

 

nein

 

Pflegegrad 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz

 

8 bis 58 Minuten

 

2 bis 12x täglich

 

nein

 

weniger als 6 Stunden

 

Pflegegrad 3

 

131 bis 278 Minuten

 

2 bis 6x täglich

 

0 bis 2x

 

weniger als 6 Stunden

 

Pflegegrad 3
mit eingeschränkter Alltagskompetenz

 

8 bis 74 Minuten

 

6x täglich bis ständig

 

0 bis 2x

 

6 bis 12 Stunden

 

Pflegegrad 4

 

184 bis 300 Minuten

 

2 bis 6x täglich

 

2 bis 3x

 

6 bis 12 Stunden

 

Pflegegrad 4
mit eingeschränkter Alltagskompetenz

 

128 bis 250 Minuten

 

7x täglich bis ständig

 

1 bis 6x

 

rund um die Uhr

 

Pflegegrad 5
mit eingeschränkter Alltagskompetenz

 

24 bis 279 Minuten

 

mind. 12x täglich

 

mind. 3x

 

rund um die Uhr 

 

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